| Veranstaltung: | Ordentliche Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Sachsen am 25.04.2026 in Chemnitz |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 3.1 Bericht des Landesvorstands |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand der Jusos Sachsen (dort beschlossen am: 24.04.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 25.04.2026, 01:19 |
B6: Bericht des Landesvorstands der Jusos Sachsen
Bericht
Liebe Genoss*innen,
wir haben in den vergangenen Jahren in einer Situation gearbeitet, die von
Widersprüchen geprägt ist: steigende soziale Unsicherheit, ein anhaltender
Rechtsruck und gleichzeitig eine Sozialdemokratie, die an zentralen Stellen
nicht die Klarheit zeigt, die es bräuchte.
Wir haben deshalb auf unserer Landesdelegiertenkonferenz in Pirna im April 2025
beschlossen: Wir wollen nicht nur reagieren, sondern unseren Verband strategisch
neu ausrichten. Wir wollen hin zu mehr Kampagnenfähigkeit – mehr Wirksamkeit
innerhalb und außerhalb der SPD.
Leitend dafür waren für uns drei zentrale Ziele: Umverteilung statt
Symptombehandlung, Kampagnenfähigkeit und der Aufbau von Verband und Bewegung.
Strategische Neuausrichtung des Verbands
Ein zentraler Schritt im letzten Jahr war der Strategiekongress. Dort haben wir
in zahlreichen Diskussionen die Grundlage für eine strategischere Arbeitsweise
gelegt: Wie wollen wir Politik machen? Welche Rolle spielen wir als Jusos in
Sachsen? Und wie werden wir konkret wirksam?
Die Ergebnisse dieses Prozesses haben wir in unserer weiteren Arbeit konsequent
aufgegriffen. Mit der erfolgreichen Durchführung der Aktivenkonferenz im Januar
diesen Jahres und der Erarbeitung eines Strategieantrags zur LDK haben wir
diesen Prozess verstetigt und in konkrete Strukturen überführt. Damit ist uns
ein wichtiger Schritt gelungen.
Kampagne: Morgen gehört uns
Mit „Morgen gehört uns“ haben wir unsere zentrale Kampagne auf den Weg gebracht
und über das Jahr hinweg mit Leben gefüllt.
Dazu gehörten unter anderem Haustüraktionen in verschiedenen Regionen Sachsens,
ein Verbandswochenende als Kampagnenlabor, der Strategiekongress als politischer
Höhepunkt sowie begleitende Formate wie Neumitgliederarbeit und Social-Media-
Aktivitäten.
Unser Anspruch war hoch: bis zum Strategiekongress 10.000 Haustüren zu
erreichen. Dieses Ziel haben wir nicht vollständig umsetzen, konnten aber etwa
die Hälfte erreichen. Das zeigt: Wir haben begonnen, ungewohntere Formen
politischer Arbeit zu etablieren, gleichzeitig bleibt hier noch Luft nach oben.
Trotzdem ist klar: Mit der Kampagne haben wir es geschafft, aus er eigenen
Sphäre auszutreten, zuzuhören und unsere politische Arbeit näher an die
Lebensrealitäten der Menschen zu bringen.
Verbandsarbeit und politische Bildungsarbeit
Neben der Kampagne haben wir gezielt am Aufbau unseres Verbandes gearbeitet.
Dazu gehörten regelmäßige digitale Neumitgliederabende und Workshops, die
Durchführung einer gut besuchten Jugendkonferenz im März 2026 in Leipzig mit
inhaltlichen Schwerpunkten wie progressiver Finanzpolitik und politischem
Storytelling. Diese Formate haben auch Räume für politische Orientierung und
Vernetzung geschaffen.
Darüber hinaus haben wir uns aktiv am ersten Ost-BIPoC-Vernetzungstreffen
beteiligt, das in Leipzig stattfand. Außerdem haben wir im Sommer 2025 im Rahmen
unserer CSD-Kampagne zahlreiche CSDs in ganz Sachsen bespielt.
Gleichzeitig haben wir versucht, unsere Öffentlichkeitsarbeit strukturell zu
verbessern, unter anderem durch den Aufbau einer Social-Media-Taskforce. Dieser
Ansatz war richtig, konnte aber bislang nicht dauerhaft stabilisiert werden.
Hier bleibt eine zentrale Aufgabe für die kommende Zeit.
Auch bei der Mobilisierung zeigt sich ein gemischtes Bild: Während größere
Veranstaltungen gut funktioniert haben, gelingt es uns noch nicht ausreichend,
kleinere Formate verlässlich zu tragen.
Arbeit in und mit der SPD
Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit bestand darin, unsere Positionen in die SPD
hineinzutragen. Das ist uns insbesondere gelungen durch eine starke inhaltliche
und personelle Präsenz auf dem Landesparteitag, erfolgreiche Initiativanträge
und abgestimmte Änderungsanträge.
Wir haben uns über das Jahr seit der letzten LDK in zentralen politischen Fragen
bewusst positioniert. Ein Beispiel ist die Reform der Grundsicherung. Hier haben
wir klar gemacht, dass eine Politik, die auf Verschärfungen und Sanktionen
setzt, keine sozialdemokratische Antwort ist. Statt Sicherheit zu schaffen, wird
Misstrauen organisiert. Das lehnen wir Jusos Sachsen ab.
Auch in Sachsen bleiben zentrale Konfliktfelder bestehen: die Haushaltspolitik,
die zentrale soziale Fragen nicht ausreichend beantwortet, sowie die geplante
Novelle des Polizeivollzugsdienstgesetzes, die aus unserer Sicht erhebliche
Probleme mit sich bringt. Zu beiden Themen haben wir als Landesvorstand
Positionen entwickelt, die auch die kommende Arbeit prägen werden und euch auf
der Landesdelegiertenkonferenz als Anträge vorliegen.
Zudem beteiligten wir uns an bundespolitischen Prozessen innerhalb der SPD und
der Jusos. Besonders hervorzuheben ist dabei die starke Ost-Präsenz im Juso-
Bundesverband. Das zeigt: Unsere Perspektiven finden Gehör und wir tragen
Verantwortung über Sachsen hinaus.
Awareness und innerverbandliche Verantwortung
Ein weiteres Thema unserer Arbeit war der Umgang mit einem laufenden
Awarenessprozess innerhalb des Verbandes. Bei diesem wurde die
Awarenesskommission auf Wunsch durch den Landesvorstand unterstützt,
insbesondere beim Erlass von Schutzmaßnahmen. Für weitere Fragen zu diesem
Verfahren verweisen wir auf den Bericht der Awarenesskommission.
Gleichzeitig haben die Erfahrungen gezeigt, dass unsere bestehenden Strukturen
zwar handlungsfähig sind, aber weiterentwickelt werden müssen. Hier sehen wir
eine klare Aufgabe für den kommenden Landesvorstand.
Selbstkritische Einordnung
Neben den erreichten Fortschritten müssen wir auch klar benennen, wo wir
Vorhaben aus dem Arbeitsprogramm nicht vollständig umsetzen konnten, etwa eine
Feminismuskampagne oder Veranstaltungen zur Klimagerechtigkeit.
Notwendigkeit für Weiterentwicklung sehen wir zudem weiterhin bei der
Öffentlichkeitsarbeit und der Mitgliedermobilisierung zu kleineren Formaten.
Diese Punkte zeigen: Der Anspruch, politisch und organisatorisch stärker zu
werden, bleibt bestehen.
Ausblick
Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob wir den eingeschlagenen
Weg weitergehen. Mit dem Strategieprozess, der Kampagne „Morgen gehört uns“ und
unseren politischen Positionierungen haben wir eine Grundlage geschaffen. Jetzt
geht es darum, diese Ansätze zu verstetigen, unsere Strukturen weiter zu stärken
und unsere Rolle als linke Kraft innerhalb der SPD und in der Gesellschaft
weiter auszubauen.
