| Veranstaltung: | Ordentliche Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Sachsen am 25.04.2026 in Chemnitz |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8.B Beschäftigung & Gute Arbeit |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | LDK |
| Beschlossen am: | 25.04.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Rettet unsere Zugbegleiter*innen!
Einleitung und ggf. Weiterleitung
Die Jusos Sachsen mögen beschließen
Beschlusstext
Die Jusos Sachsen fordern eine grundlegende Stärkung der Sicherheit, der
personellen Ausstattung und der Aufgaben der Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter
im öffentlichen Personenverkehr.
Dazu gehört insbesondere:
1. Mehr Personal auf den Zügen
Züge im Nah- und Fernverkehr dürfen nicht dauerhaft ohne ausreichendes
Begleitpersonal verkehren. Es braucht wieder mehr Zugbegleiter*innen an Bord.
Der Personalabbau der vergangenen Jahre muss gestoppt und schrittweise
zurückgenommen werden.
2. Stärkung der Sicherheit für Personal und Fahrgäste
Deshalb müssen Sicherheitskonzepte im öffentlichen Personenverkehr gezielt
weiterentwickelt werden. Dazu gehört eine verlässliche und sichtbare
Ansprechbarkeit vor Ort, die Fahrgästen und Beschäftigten gleichermaßen
Sicherheit gibt.
Entscheidend ist eine spürbare Entlastung und Rückendeckung für das Zugpersonal
in Konfliktsituationen – etwa durch zusätzlich qualifiziertes Personal sowie
klare Abläufe, die im Ernstfall schnell und wirksam greifen.
Ergänzend braucht es eine noch engere und abgestimmte Zusammenarbeit mit den
zuständigen Sicherheitsbehörden, um Prävention, schnelle Hilfe und nachhaltige
Lösungen miteinander zu verbinden.
3. Stärkung der betrieblichen Rolle der Zugbegleiter*innen
Zugbegleiter*innen übernehmen heute im Nahverkehr vor allem Serviceaufgaben wie
Fahrkartenkontrollen, Information und Orientierung für Fahrgäste. Doch diese
Rolle soll wieder um betriebliche Verantwortung erweitert werden: Aktuell sind
viele technische und organisatorische Aufgaben – etwa die Überprüfung der
Funktionsfähigkeit von Türen oder auch die Unterstützung bei der Abfertigung,
also der koordinierten Abfahrt des Zuges, das ist derzeit nicht mehr Teil des
Aufgabenspektrums. Stattdessen muss der Lokführer bei Störungen oft den Zug
verlassen, was zu zusätzlichen Verspätungen führt.Ziel ist es, das
Zugbegleiter*innen so zu qualifizieren, dass es diese betrieblichen Aufgaben
wieder mit übernehmen können und dürfen – ohne klassische technische
Vorbereitungsarbeiten wie die Zugvorbereitung. So wird das Personal nicht nur
als Servicekraft, sondern als aktive Stütze für einen reibungslosen
Betriebsablauf gestärkt.
4. Verbesserung der technischen und betrieblichen Unterstützung
An Bahnhöfen und Haltepunkten, an denen Züge aufgrund von Gleisbögen oder
anderer örtlicher Gegebenheiten nicht vollständig durch das Fahrpersonal
eingesehen werden können, muss wieder eine sichere Abfertigung durch Zugpersonal
ermöglicht werden. Die technischen und personellen Voraussetzungen hierfür sind
sicherzustellen.
5. Serviceorientierung im öffentlichen Verkehr stärken
Zugbekleiter*innen leisten einen wichtigen Beitrag für Information,
Unterstützung und Orientierung der Fahrgäste. Dieser Servicegedanke muss wieder
stärker in den Mittelpunkt gestellt werden – nicht nur als reine Dienstleistung,
sondern als zentraler Bestandteil eines professionellen und kundenorientierten
ÖPNV/SPNV. Denn das Zugbegleitpersonal verkörpert nicht nur die Visitenkarte des
Unternehmens, sondern erfüllt auch einen wichtigen geschäftlichen Auftrag: Es
trägt maßgeblich dazu bei, dass Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr als
zuverlässig, sicher und attraktiv erleben. Durch eine aktive, freundliche und
kompetente Betreuung wird nicht nur die Zufriedenheit der Kunden gesteigert,
sondern auch die Bindung an den ÖPNV/SPNV langfristig gesichert. Das stärkt das
Image des gesamten Verkehrsangebots und unterstreicht die Rolle des Personals
als essenzieller Faktor für den Erfolg des öffentlichen Nahverkehrs.
6. Klare Trennung von Aufgabenprofilen
Zugbegleiter*innen dürfen nicht zunehmend in fachfremde Rollen gedrängt werden.
Aufgaben der Bordgastronomie müssen klar von sicherheitsrelevanten und
kundenbetreuenden Tätigkeiten getrennt werden.
7. Keine weitere Reduzierung der Personalquote
Die geplante Reduzierung des Zugpersonals – etwa im Bereich der S-Bahn Dresden –
zeigt eine problematische Entwicklung. Eine weitere Absenkung der Personalquote
gefährdet sowohl die Sicherheit als auch die Qualität des öffentlichen Verkehrs
und muss verhindert werden.
8. Abkehr von einer Sparpolitik zulasten von Sicherheit und Service
Der öffentliche Personenverkehr ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Einsparungen auf Kosten von Personal, Sicherheit und Service dürfen nicht weiter
fortgeführt werden. Stattdessen müssen diese Bereiche gezielt gestärkt werden.
